Schlossgarten Charlottenburg
Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf
Der Schlossgarten Charlottenburg liegt direkt am gleichnamigen Schloss und wurde ab 1697 zunächst als französischer Barockgarten angelegt. Auf 55 Hektar vereint er heute ein restauriertes Parterre mit einem englischen Landschaftsgarten aus dem 19. Jahrhundert, der Eintritt ist frei.
- 55 Hektar großer Park, ab 1697 unter der Leitung von Siméon Godeau als Barockgarten angelegt
- Teehaus Belvedere von 1788, erbaut von Carl Gotthard Langhans
- Mausoleum der Königin Luise, errichtet nach 1810
- Neuer Pavillon von Karl Friedrich Schinkel, 1824/1825 im Stil einer neapolitanischen Villa gebaut
- Landschaftsgärtnerische Umgestaltung ab 1819 durch Peter Joseph Lenné
Hinter dem Schloss Charlottenburg erstreckt sich auf 55 Hektar einer der wenigen erhaltenen höfischen Gärten Berlins: der Schlossgarten Charlottenburg. Wer hier spazieren geht, durchquert gleich zwei Gartenepochen, ein streng geometrisches Barockparterre und einen weitläufigen englischen Landschaftspark.
Ein Barockgarten für die erste Königin in Preußen
Angelegt wurde der Garten ab 1697 von Siméon Godeau, im Auftrag der damaligen Kurfürstin Sophie Charlotte von Hannover. Zur Ausstattung gehörten ein geometrisches Parterre direkt am Schloss, zwei Boskette an der Spree mit kleinen Angelhäusern im Westen und Osten, ein eigener kleiner Hafen für Treckschuten nach Berlin sowie ein Spielgarten mit Wasserbassins und Bahnen für das Boule-Spiel. Als ein Gärtner 1709 ohne Erlaubnis zahlreiche Linden gefällt hatte, wurde er umgehend seines Amtes enthoben, ein Hinweis darauf, wie streng der Hof die Gartenpflege nahm. Unter Friedrich Wilhelm I. litt die Anlage allerdings: Zwischen 1713 und 1740 kürzte der sparsame König den Pflegeetat drastisch und verpachtete Teile des Gartens sogar an Ackerbauern.
Vom Rokoko zum englischen Landschaftspark
Friedrich der Große kümmerte sich zwischen 1740 und 1786 wieder um die Wiederherstellung des Gartens, allerdings im damals modernen Stil des Rokoko. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II. bevorzugte dann den romantischen Trend englischer Landschaftsgärten und berief dafür 1788 den Hofgärtner Johann August Eyserbeck. Dieser löste als Erstes die geraden Uferlinien des Karpfenteichs auf und wandelte das strenge Parterre vor dem Alten Schloss in eine lockere Rasenfläche mit Baumgruppen um. Nach seinem Tod 1801 setzte sein Nachfolger Steiner die Arbeiten fort, bevor 1819 der bedeutende Gartenkünstler Peter Joseph Lenné hinzukam. Lenné verlandschaftete vor allem das Westboskett und gab der gesamten Anlage ihren letzten künstlerischen Schliff.
Teehaus, Mausoleum und Neuer Pavillon
Im Schlossgarten stehen mehrere kleinere Bauten aus unterschiedlichen Epochen. Das Teehaus Belvedere errichtete Carl Gotthard Langhans 1788, es beherbergt heute eine bedeutende KPM-Porzellansammlung. Nach 1810 entstand für Königin Luise ein Mausoleum, dessen Grabskulptur von Christian Daniel Rauch geschaffen wurde. Zwischen 1824 und 1825 ließ Friedrich Wilhelm III. von Karl Friedrich Schinkel den Neuen Pavillon errichten, gestaltet im Stil einer neapolitanischen Villa, wenngleich der König ihn nie zusammen mit seiner zweiten Frau bewohnte. Zwei weitere, leichtere Bauten, das Otahitische Korbhaus und ein Angelhaus im gotischen Stil direkt am Spreeufer, mussten wegen ihrer Konstruktion häufig repariert werden und wurden schließlich im 19. Jahrhundert abgerissen.
Wiederherstellung nach dem Krieg
Nach den starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg kämpfte vor allem Margarete Kühn, die Direktorin der West-Berliner Schlösserverwaltung, für eine Annäherung an den barocken Originalzustand des Parterres, weil es in Berlin zu dieser Zeit keine erhaltenen Barockgärten mehr gab. Die 1958 von der Schlossgärtnerei angelegten, 1967/1968 mit Broderie-Ornamenten verzierten Flächen entsprechen allerdings nicht exakt dem historischen Vorbild, weil dieses als zu pflegeaufwendig galt. Trotz Kritik an dieser unhistorischen Gestaltung der 1960er Jahre entschied sich die Berliner Gartendenkmalpflege 2001 dafür, genau diese Version zu restaurieren, mit der Begründung, dass auch sie inzwischen als geschichtliches Zeugnis gelte.
Tipps für deinen Besuch
Der Schlossgarten ist Naherholungsgebiet für die dicht besiedelten Charlottenburger Altbauviertel ringsum, Joggen, Spazierengehen und seit 2008 auch Radfahren sind hier erlaubt. Für einen Ausflug kombinierst du den Garten am besten mit dem Schloss Charlottenburg selbst, das nur rund 400 Meter entfernt liegt. In der Nähe befinden sich außerdem das Bröhan-Museum und die Sammlung Scharf-Gerstenberg, beide etwa 0,6 Kilometer entfernt. Wer mehr Zeit mitbringt, erreicht nach rund 1,6 Kilometern den Lietzenseepark und nach 1,7 Kilometern die Deutsche Oper Berlin.
Häufige Fragen
Kostet der Eintritt in den Schlossgarten Charlottenburg etwas?
Nein, der Eintritt in den Schlossgarten ist frei, Stand Oktober 2026. Lediglich für das Schloss selbst und die separaten Gebäude wie Belvedere oder Neuer Pavillon fallen Museumsgebühren an.
Wann ist der Schlossgarten Charlottenburg geöffnet?
Der Garten ist täglich zugänglich, von 8 Uhr morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit, Stand Oktober 2026, ganzjährig ohne Ruhetag.
Was gibt es im Schlossgarten zu sehen?
Der Garten verbindet ein nahe am Schloss restauriertes Barockparterre mit einem weitläufigen englischen Landschaftsgarten. Zu den Bauten im Park zählen das Teehaus Belvedere, das Mausoleum der Königin Luise und der von Karl Friedrich Schinkel errichtete Neue Pavillon.
Kann ich mit dem Fahrrad durch den Schlossgarten fahren?
Ja, das Fahrradfahren ist seit 2008 im Schlossgarten erlaubt, nachdem die Schlösserstiftung ein Verbot zuvor erwogen hatte.
Wie komme ich zum Schlossgarten Charlottenburg?
Der Garten liegt am Spandauer Damm in Berlin-Charlottenburg, direkt hinter dem Schloss. Die nächste Haltestelle für Bus und Bahn heißt Luisenplatz/Schloss Charlottenburg, PKW und Busse finden vor Ort gebührenpflichtige Stellplätze.
Quellen: de.wikipedia.org, spsg.de
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