Zum Inhalt springen
AbenteuerFreizeit

Erweiterte Suche

Sehenswürdigkeit

Markthalle Neun

Berlin

Die Markthalle Neun in der Eisenbahnstraße ist eine von einst 14 Berliner Markthallen aus dem 19. Jahrhundert und eine der wenigen, die bis heute in Betrieb sind. Seit ihrer Eröffnung 1891 hat sie Weltkriege, Discounter-Konkurrenz und Leerstand überstanden und ist heute Marktplatz für Lebensmittelhandwerk und Streetfood in Kreuzberg.

  • Eröffnet am 1. Oktober 1891 als eine von 14 Berliner Markthallen, geplant unter Stadtbaurat Hermann Blankenstein
  • 300 Marktstände mit je vier Quadratmetern Fläche bei der Eröffnung, im ersten Jahr komplett vermietet
  • Im Zweiten Weltkrieg im Februar 1945 durch Bombentreffer beschädigt, Verkauf lief auf provisorischen Ständen weiter
  • Eine von nur drei West-Berliner Markthallen, die nach dem Krieg weiterbetrieben wurden
  • 1977 durch die Ansiedlung von ALDI vor der Schließung bewahrt, seitdem in genossenschaftlicher Selbstverwaltung

In der Eisenbahnstraße in Kreuzberg steht eine der letzten Markthallen Berlins, die noch das tut, wofür sie gebaut wurde: Lebensmittel verkaufen. Die Markthalle Neun hat dabei schon mehrere Leben hinter sich, vom viktorianischen Lebensmittelmarkt über die Discounter-Ära bis zum heutigen Streetfood- und Handwerksmarkt.

Ein Hungeraufstand als Auslöser

Dass Berlin überhaupt Markthallen bekam, geht auf einen Aufstand von 1847 zurück. Schlechte Ernten hatten Grundnahrungsmittel drastisch verteuert, besonders hart traf es die Kartoffel als wichtigstes Essen der armen Bevölkerung. Wütende Kundinnen zerschnitten auf den Wochenmärkten Säcke, nahmen sich Ware ohne zu zahlen und zogen danach plündernd durch Bäckereien und Fleischerläden, bis Militär eingriff und die Lage beruhigte. Der Vorfall zeigte den Stadtvätern, wie verwundbar die Versorgung einer explosionsartig wachsenden Metropole war: Zwischen 1849 und 1890 wuchs Berlins Bevölkerung von rund 424.000 auf über 1,5 Millionen, viele davon Industriearbeiter, die in neu gebauten Kreuzberger Mietskasernen Wohnung fanden.

Bis zur ersten Lösung dauerte es trotzdem fast vier Jahrzehnte: 1886 eröffnete am Alexanderplatz die Zentralmarkthalle, gleichzeitig mit drei kleineren Hallen. Bis 1892 kamen elf weitere dazu, geplant unter der Leitung von Stadtbaurat Hermann Blankenstein. Zusammen ersetzten sie rund zwanzig einfache Freiluftmärkte, auf denen Fleisch oft ungekühlt in der Sonne lag und Gemüse direkt auf dem Pflaster verkauft wurde.

Eine Halle für den Kiez an der Eisenbahnstraße

Die spätere Markthalle Neun öffnete im Herbst 1891 als Markthalle IX, fast zur selben Zeit wie die umliegenden Wohnhäuser in der Nachbarschaft entstanden. Zwischen Eisenbahn- und Pücklerstraße gelegen, verteilt sich der Bau über mehrere Innenhöfe, mit aufwendig verzierten Fassaden an beiden Kopfbauten. Für Tageslicht und frische Luft sorgten Sheddach-Fenster, dazu kamen Kühlräume im Untergeschoss und eine damals moderne Wasserversorgung. Die technische Ausführung übernahm der Architekt August Lindemann. Insgesamt standen zur Eröffnung 300 Verkaufsplätze bereit, und schon binnen zwölf Monaten hatte sich für jeden ein Mieter gefunden.

Vom Bombentreffer zur Discounter-Rettung

Acht der zehn noch bestehenden Berliner Markthallen fielen im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer. Die Markthalle IX blieb lange unversehrt, bis Anfang 1945 doch ein Treffer Teile des Kellers zum Einsturz brachte, der Handel ging trotzdem auf Behelfsständen weiter. Als einzige von nur drei West-Berliner Hallen nahm sie nach Kriegsende sofort wieder den Betrieb auf, neben der Arminiushalle in Moabit und der weit stärker zerstörten Halle am Marheinekeplatz.

In den Jahrzehnten danach ging es bergab und wieder bergauf. 1969 übernahm die landeseigene Berliner Großmarkt GmbH das Eigentum, zugleich schlossen sich die Standbetreiber zu einer Genossenschaft zusammen, die den Betrieb fortan selbst führte. Die Umsätze blieben trotzdem schwach, bis sich 1977 überraschend ALDI einmietete, kurz darauf folgte die Drogeriekette Drospa. Der Schritt funktionierte: Innerhalb eines Jahres füllte sich fast jeder der verbliebenen Stände wieder. Zum hundertjährigen Bestehen 1991 bekam die Halle für mehrere hunderttausend D-Mark eine Auffrischung.

Vom Nachbarschaftsmarkt zur Streetfood-Adresse

Heute versteht sich die Markthalle Neun als Ort erfahrbarer Lebensmittelkultur, mit Marktständen, Kochschule und als Treffpunkt für Handwerk und Esskulturen in Kreuzberg. Die genossenschaftliche Selbstverwaltung aus den 1960er Jahren prägt den Betrieb bis heute und unterscheidet die Markthalle Neun von vielen anderen historischen Hallen, die zu reinen Shopping-Centern umgebaut wurden.

Tipps für deinen Besuch

Die Markthalle Neun liegt an der Eisenbahnstraße 42/43 in Kreuzberg. Der U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof der Linie U1 ist fußläufig erreichbar, auch die Bushaltestelle Wrangelstraße der Linie 140 liegt in der Nähe. In der Umgebung findest du die East Side Gallery (0,6 Kilometer), das Wall Museum (0,9 Kilometer), die Admiralbrücke (1,4 Kilometer) sowie das RAW-Gelände (1,5 Kilometer). Zahlung mit Karte ist möglich, der Zugang ist rollstuhlgerecht, ebenso die sanitären Anlagen.

Häufige Fragen

Warum wurden die Berliner Markthallen gebaut?

Den Ausschlag gab ein Hungeraufstand im Jahr 1847: Schlechte Ernten trieben die Lebensmittelpreise so hoch, dass wütende Kundinnen Marktstände umwarfen und Läden stürmten, erst nach drei Tagen beruhigte sich die Lage wieder. Der Stadt wurde klar, dass die offenen Wochenmärkte für eine so schnell wachsende Bevölkerung nicht mehr taugten, also plante sie hygienische, überdachte Hallen.

Wann wurde die Markthalle Neun eröffnet?

Die damalige Markthalle IX ging Herbst 1891 in Betrieb, als eine von vierzehn Hallen, die Berlin binnen wenigen Jahren in der ganzen Stadt errichtete. Geplant hatte sie Stadtbaurat Hermann Blankenstein, umgesetzt sein Mitarbeiter August Lindemann.

Wie hat die Halle den Zweiten Weltkrieg überstanden?

Viele andere Berliner Markthallen brannten im Krieg komplett aus, die Markthalle IX kam zunächst ungeschoren davon. Erst 1945 schlug eine Bombe ein, Teile des Kellers brachen zusammen, trotzdem verkauften Händler weiter auf Notständen. Nach Kriegsende öffnete sie als eine von nur drei West-Berliner Markthallen wieder.

Wie wurde die Halle vor der Schließung gerettet?

Ausgerechnet zwei Discounter retteten die Halle: ALDI zog 1977 ein, Drospa folgte wenig später. Die verbleibenden Standmieter profitierten sofort, binnen eines Jahres waren fast alle ihrer Stände wieder belegt. Betrieben wurde die Halle schon seit Ende der 1960er Jahre von einer Genossenschaft der Händler selbst.

Wie komme ich zur Markthalle Neun?

Die Halle liegt an der Eisenbahnstraße 42/43 in Berlin-Kreuzberg. Der U-Bahnhof Görlitzer Bahnhof der Linie U1 liegt in der Nähe, ebenso die Bushaltestelle Wrangelstraße der Linie 140. Zahlung mit Karte ist möglich, der Eingang ist rollstuhlgerecht.

Quellen: de.wikipedia.org, markthalleneun.de

Ähnliche Sehenswürdigkeiten in der Nähe

Alle Sehenswürdigkeiten in Berlin ansehenAlle Sehenswürdigkeiten in Deutschland ansehen

In der Nähe

Für Betreiber

Sind Sie der Betreiber von Markthalle Neun?

Übernehmen Sie den Eintrag kostenlos und ergänzen Sie Fotos, Preise und weitere Angaben.

Angaben ohne Gewähr. Fehler entdeckt? Gib uns Bescheid.