Schloss Bellevue am Nordrand des Großen Tiergartens ist seit 1994 der erste Amtssitz des Bundespräsidenten. Die klassizistische Dreiflügelanlage entstand 1785/86 als Sommerresidenz für Prinz August Ferdinand von Preußen und gilt als der älteste Bau seines Baustils in ganz Preußen.
- Architekt Michael Philipp Boumann baute das Schloss 1785/86 für Prinz August Ferdinand
- Ältester Bau seines klassizistischen Stils in ganz Preußen
- Seit Januar 1994 erster Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin
- Seit Sommer 2026 umfassende Sanierung, Fertigstellung voraussichtlich um 2034
- Empire-Möbel als Dauerleihgabe aus dem hessischen Schloss Wilhelmshöhe, seit den 1980er Jahren
Am Nordrand des Großen Tiergartens, dort wo sich Spree und Siegessäule fast berühren, steht Schloss Bellevue, seit 1994 der erste Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten. Auch das Brandenburger Tor und der Bundestag sind nicht weit entfernt. Von allen Gebäuden, die Regierung, Parlament und Bundesverwaltung heute in Berlin nutzen, ist diese klassizistische Dreiflügelanlage das älteste.
Eine Sommerresidenz für den jüngsten Bruder Friedrichs des Großen
Den Auftrag für den Bau erteilte 1785 Prinz Ferdinand, Friedrichs des Großen um 18 Jahre jüngerer Bruder, der sich eine Sommerresidenz wünschte. Sein bisheriges, weit vom Stadtzentrum entferntes Anwesen Schloss Friedrichsfelde hatte er im selben Jahr verkauft, nun sollte es näher an der Berliner Altstadt liegen. Die Wahl fiel auf den Großen Tiergarten, den sein Bruder Jahrzehnte zuvor von einem abgesperrten Jagdrevier in eine für alle zugängliche Parkanlage hatte umwandeln lassen. Architekt Michael Philipp Boumann übernahm die Planung und orientierte sich dabei stilistisch am Schloss in Wörlitz.
Entstanden ist eine Dreiflügelanlage aus langgestrecktem Hauptbau und zwei Seitenflügeln im frühklassizistischen Stil, die als ältester Bau dieser Stilrichtung in ganz Preußen gilt. Den Namen verdankt das Schloss dem schönen Blick, den man von hier aus westwärts über Park und Fluss bis hin zum weit entfernten Schloss Charlottenburg genießen konnte, in goldenen Lettern am Mittelrisalit bis heute nachzulesen.
Museum, Gästehaus und Kriegszerstörung
Im Lauf der Jahrzehnte änderte sich die Nutzung des Hauses mehrfach. 1844 zog hier die erste Galerie für zeitgenössische Kunst in Preußen ein, eingerichtet von König Friedrich Wilhelm IV. und später Keimzelle der heutigen Nationalgalerie. Danach diente das Haus zeitweise als Wohnsitz für Mitglieder des Königshauses und als Gästehaus, unter anderem erteilte Kaiser Wilhelm II. hier seinem Nachwuchs persönlichen Unterricht.
1941 setzten britische Brandbomben das Gebäude in Flammen, es brannte vollständig aus. Der Wiederaufbau zog sich von 1954 bis 1959 hin, geleitet von Hinnerk Scheper, mit dem Ziel, hier künftig den Bundespräsidenten unterzubringen. Von der historischen Innenausstattung blieb dabei nur ein einziger Raum vollständig erhalten: der Ballsaal im Obergeschoss, 1791 vom Architekten Carl Gotthard Langhans gestaltet.
Amtssitz des Bundespräsidenten
Von 1957 an nutzte das Staatsoberhaupt das Schloss zunächst nur sporadisch, als zweiten Amtssitz neben seinem eigentlichen Sitz in Bonn. Das änderte sich erst 1994: Richard von Weizsäcker verlegte den Hauptsitz endgültig nach Berlin. Schon zuvor, 1986/87, hatte er den Münchner Architekten Otto Meitinger beauftragt, die Innenräume neu zu gestalten. Dabei zog unter anderem eine kostbare Möbelsammlung aus dem hessischen Wilhelmshöhe als Leihgabe ein, ursprünglich für Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte gefertigt.
Nur ein Bundespräsident hat tatsächlich auch im Schloss selbst gewohnt: Roman Herzog, zwischen 1994 und 1999. Wegen häufiger technischer Pannen soll er das Gebäude scherzhaft als „Bruchbude“ bezeichnet haben. Seit 1999 wohnen die Bundespräsidenten stattdessen in einer Villa im Stadtteil Dahlem, während Schloss Bellevue weiterhin Büro und Repräsentationsräume beherbergt.
Sanierung seit 2026
Seit dem Sommer 2026 laufen umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Schloss und seinen Nebengebäuden, abgeschlossen sein sollen sie erst gegen 2034. In dieser Zeit hat der Bundespräsident mit seiner Verwaltung ein eigens errichtetes, rund 205 Millionen Euro teures Bürogebäude im Regierungsviertel bezogen, das später anderweitig genutzt werden soll.
Tipps für deinen Besuch
Schloss Bellevue liegt direkt am Spreeufer. Die Siegessäule erreichst du in rund 0,4 Kilometern, auch Bundestag und Brandenburger Tor sind nicht weit, in den Großen Tiergarten gelangst du in etwa 0,6 Kilometern. Während der laufenden Sanierung ist das Schloss selbst nicht regulär zu besichtigen, der umgebende Park dient aber weiterhin als Schauplatz für Bürgerfeste.
Häufige Fragen
Wer hat Schloss Bellevue erbauen lassen?
Bauherr war Prinz Ferdinand von Preußen, der jüngste Bruder Friedrichs des Großen. Er beauftragte den Architekten Michael Philipp Boumann mit einer Sommerresidenz, die 1785/86 entstand. Bezogen hat der Prinz das fertige Schloss im Jahr 1786, demselben Jahr, in dem sein berühmter Bruder starb.
Seit wann ist Schloss Bellevue Amtssitz des Bundespräsidenten?
Richard von Weizsäcker zog im Januar 1994 als erster Bundespräsident dauerhaft hierher um und verlegte damit den Amtssitz endgültig von Bonn nach Berlin. Schon seit 1957 diente das Gebäude dem Staatsoberhaupt gelegentlich als zweiter, weniger genutzter Amtssitz neben der Bonner Villa Hammerschmidt.
Wo wohnt der Bundespräsident, wenn nicht in Schloss Bellevue?
Als offizieller Wohnsitz dient den Bundespräsidenten seit 1999 eine Villa in Berlin-Dahlem. Roman Herzog war in der Zeit zwischen 1994 und 1999 das einzige Staatsoberhaupt, das noch direkt im Schloss selbst gewohnt hat.
Warum ist Schloss Bellevue derzeit nicht zugänglich?
Seit dem Sommer 2026 laufen am Schloss und seinen Nebengebäuden umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten, die voraussichtlich bis etwa 2034 dauern werden (Stand Oktober 2026). Für diese Zeit ist der Bundespräsident in ein neu errichtetes Bürogebäude in Berlin-Moabit umgezogen.
Kann man Schloss Bellevue normalerweise besichtigen?
Das Schloss dient vor allem repräsentativen Anlässen wie Staatsbesuchen, öffnet aber auch an einzelnen Tagen seine Türen für interessierte Bürger. Während der laufenden Sanierung seit 2026 ist regulär kein Besuch möglich.
Quellen: de.wikipedia.org
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