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Sehenswürdigkeit

Märchenbrunnen

Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg

Der Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain wurde 1913 nach Plänen des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann eröffnet, nahe der Kreuzung am Königstor. Zehn Steinskulpturen zeigen Figuren aus bekannten Grimm-Märchen, umrahmt von Kaskaden, Fontänen und wasserspeienden Fröschen, die Anlage steht unter Denkmalschutz.

  • Eröffnet am 15. Juni 1913 zum Thronjubiläum Wilhelms II., nach Plänen von Ludwig Hoffmann, 90 mal 172 Meter große Gesamtanlage
  • Zehn Skulpturen des Bildhauers Ignatius Taschner zu neun Grimm-Märchen, darunter Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, Dornröschen
  • Insgesamt 106 figürliche und dekorative Steinskulpturen von drei Bildhauern
  • Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zunächst mit Kopien, 2006/2007 denkmalgerecht nach Hoffmanns Vorbild wiederhergestellt
  • Gilt mit seinen Ausmaßen als größte öffentliche Brunnenanlage Berlins aus der Zeit des Kaiserreichs, steht unter Denkmalschutz

An der Stelle, wo die Friedenstraße auf die Straße Am Friedrichshain trifft, liegt im Berliner Volkspark Friedrichshain eine der aufwendigsten Brunnenanlagen der Stadt. Ein schmiedeeisernes Tor und ein von Hecken gesäumter Weg führen auf einen weiten Platz, wo Wasser, Stein und Märchenfiguren zu einem kleinen Gesamtkunstwerk zusammenkommen.

Jahrelange Planung für ein ungewöhnliches Projekt

Die Idee zu einem Brunnen an dieser Stelle gab es schon Jahre zuvor. Als der Architekt Ludwig Hoffmann sein Amt als Berliner Stadtbaurat antrat, fand er dafür bereits Pläne für eine zeittypische, reich dekorierte Festungsarchitektur vor. Diese lehnte er ab: Bei einem Ortsbesuch hatte er beobachtet, wie viele Kinder auf dem Grundstück spielten, und entschied sich stattdessen für einen Märchenbrunnen. Seine erste Entwurfsfassung präsentierte er der Öffentlichkeit auf einer großen Kunstausstellung, der Kaiser begrüßte den Plan grundsätzlich, wünschte aber Änderungen. Es folgten jahrelange Auseinandersetzungen zwischen kaiserlichen und städtischen Zuständigkeiten, bevor konkrete Bauaufträge erteilt werden konnten. Die Gesamtkosten beliefen sich auf eine knappe Million Mark, ein für die damalige Zeit beachtlicher Betrag.

Zum 25. Jahrestag der Thronbesteigung Wilhelms II. wurde die Anlage schließlich der Öffentlichkeit übergeben. Schon wenige Tage später berichtete die sozialdemokratische Presse von einem Besucherandrang, wie er zuvor bei keiner städtischen Anlage dieser Art beobachtet worden sei.

Die Märchenfiguren

Hauptbestandteil der Anlage ist ein großes Wasserbecken im Stil des Neobarock, mit mehreren flachen Kaskaden, einer größeren und mehreren kleinen Fontänen sowie wasserspeienden Fröschen, von denen einer als Froschkönig besonders hervorgehoben ist. Der Bildhauer Ignatius Taschner schuf dafür zehn Skulpturen auf dem Beckenrand, die bekannte Stoffe aus den Grimm-Märchen zeigen: Dornröschen, Aschenputtel, der gestiefelte Kater und Hans im Glück gehören ebenso dazu wie Figuren aus Schneewittchen, Rotkäppchen und weiteren Klassikern. Modell standen unter anderem die Töchter des Bildhauers selbst. Insgesamt umfasst das Bildprogramm der Anlage mehr als hundert figürliche und dekorative Steinskulpturen, geschaffen von Taschner gemeinsam mit zwei weiteren Bildhauern.

Inspiriert wurde Hoffmann von frühbarocken Gartenanlagen bei Rom, die er auf Studienreisen besichtigte.

Zerstörung und originalgetreue Rekonstruktion

Der Zweite Weltkrieg richtete im Brunnen und im gesamten Volkspark schwere Schäden an, danach war der Großteil der Figuren spurlos verschwunden. Erst Jahre später tauchten sie, viele davon stark beschädigt, in einem Garten im Bezirk wieder auf. Die Stadtverwaltung ließ den Brunnen technisch wiederherstellen, allerdings mit gröberen Kopien statt der Originalfiguren. Weitere Sanierungen folgten in den 1970er und 1980er Jahren, doch auch nach der Wiedervereinigung blieb mutwillige Zerstörung ein Dauerproblem: Mehrfach wurden Figurengruppen beschädigt oder ins Brunnenbecken gestoßen.

Erst in den 2000er Jahren erfolgte eine umfassende, denkmalgerechte Wiederherstellung nach Hoffmanns ursprünglichem Vorbild. Die Kosten trugen größtenteils die öffentliche Hand und die Europäische Union, einen kleineren Teil übernahmen private Sponsoren. Die ursprünglichen Märchenfiguren wurden dafür anhand erhaltener kleinerer Vorlagen originalgetreu nachgebildet. Seit dieser Sanierung ist die gesamte Anlage wieder frei zugänglich, ein Zaun und nächtliche Zugangssperren sollen weiteren Vandalismus verhindern.

Tipps für deinen Besuch

Vom Märchenbrunnen aus erreichst du den Alexanderplatz und den Kollwitzplatz jeweils in rund einem Kilometer, auch die Weltzeituhr liegt in der Nähe. Mehrere Buslinien halten an der Bötzowstraße direkt am Park, mit der Tram kommst du über die Haltestelle Hufelandstraße. Der Eintritt in den Volkspark Friedrichshain und zum Brunnen ist frei.

Häufige Fragen

Welche Märchen zeigt der Märchenbrunnen?

Der Bildhauer Ignatius Taschner schuf zehn Skulpturen zu neun Erzählungen der Brüder Grimm. Vertreten sind unter anderem Hänsel und Gretel mit zwei Figuren, außerdem Aschenputtel, Dornröschen, Rotkäppchen, Schneewittchen, Brüderchen und Schwesterchen sowie die Geschichten vom gestiefelten Kater, von Hans im Glück und den sieben Raben.

Warum sehen einige Figuren anders aus als die Originale?

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die meisten Originalskulpturen verschwunden, erst 1950 tauchten sie beschädigt in einem Gemüsegarten wieder auf. 1950/1951 stellte der Magistrat gröbere Kopien auf. Erst 2006/2007 erfolgte eine umfassende, denkmalgerechte Wiederherstellung nach Hoffmanns ursprünglichem Vorbild, finanziert zu 90 Prozent von Land, Bund und EU.

Wie kam es zum Bau des Märchenbrunnens?

Stadtbaurat Ludwig Hoffmann kam auf die Idee eines Märchenbrunnens, als er bei der Besichtigung des Grundstücks beobachtete, wie viele Kinder dort spielten. Die erste Entwurfsfassung stellte er 1901 vor, konkrete Bauaufträge konnten aber erst 1907 erteilt werden. Fertig war die Anlage im Juni 1913, zum silbernen Thronjubiläum Wilhelms II.

Was kostet der Besuch des Märchenbrunnens?

Der Märchenbrunnen ist Teil des öffentlich zugänglichen Volksparks Friedrichshain, ein Eintritt wird nicht erhoben.

Wie komme ich zum Märchenbrunnen?

Der Brunnen steht am westlichen Rand des Volksparks Friedrichshain, nahe der Kreuzung am Königstor. Mehrere Buslinien halten in der Nähe, etwa an der Bötzowstraße, zudem erreichst du den Park über die Tramhaltestelle Hufelandstraße.

Quellen: de.wikipedia.org, berlin.de

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