Die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz zeigt seit dem 30. September 1969 die Uhrzeit von 146 Orten weltweit auf einer zehn Meter hohen, rotierenden Säule. Entworfen vom Designer Erich John, gilt sie bis heute als berühmtester Treffpunkt Berlins und steht seit 2015 unter Denkmalschutz.
- Zehn Meter hohe, 16 Tonnen schwere Uhrenanlage mit Namen von 146 Orten auf 24 Zeitzonen-Segmenten
- Eröffnet am 30. September 1969, kurz vor dem 20. Jahrestag der DDR
- Entworfen vom Designer Erich John, der dafür 2021 das Bundesverdienstkreuz erhielt
- Über der Uhr rotiert einmal pro Minute ein vereinfachtes Modell des Sonnensystems
- Zentraler Treffpunkt während der Proteste zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989
Mitten auf dem Alexanderplatz dreht sich seit 1969 eine zehn Meter hohe Säule, auf der sich die Uhrzeiten von 146 Orten der Welt ablesen lassen: die Weltzeituhr. Kaum ein anderer Ort in Berlin ist als Treffpunkt so fest im Sprachgebrauch verankert wie “an der Weltzeituhr”.
Eine Uhr zum 20. Jahrestag der DDR
Mit der feierlichen Übergabe am 30. September 1969 war das Projekt rechtzeitig fertig für den großen DDR-Jahrestag, zu dem auch der Fernsehturm fertiggestellt wurde. Die Uhr bildete damit einen späten Schlusspunkt der umfassenden Umgestaltung des Alexanderplatzes im Geist der sozialistischen Stadtplanung, in deren Zuge der Platz deutlich an Fläche gewann. Wie beliebt die Uhr sofort wurde, zeigten eigene Briefmarken und sogar eine Sondermünze.
Verantwortlich für den Entwurf war Erich John, Mitglied der Planungsgruppe unter Walter Womacka, die mit der Neugestaltung des Alexanderplatzes beauftragt war. Als Dozent unterrichtete John zu dieser Zeit Formgestaltung an der Berliner Hochschule für bildende Kunst, zudem übernahm er persönlich die Leitung der rund neunmonatigen Bauphase, an der etwa 120 Fachkräfte verschiedener Berufsgruppen beteiligt waren, darunter die Getriebefabrik Coswig sowie der Metallbauer Hans-Joachim Kunsch. Entstanden war die Idee 1968, im Zusammenhang mit der Umgestaltung einer Uraniasäule, die zwei Jahre zuvor bei Abrissarbeiten gefunden worden war. Für sein Werk zeichnete man John 2021 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus, bis heute gilt er als der Erfinder der Weltzeituhr.
Wie die Technik funktioniert
Über einem Steinmosaik in Form einer Windrose, das im Boden eingelassen ist, erhebt sich die gut zwei Meter hohe Säule, auf der ein dreigeteilter Zylinder mit 24 Seiten sitzt, je eine für jede der weltweiten Haupt-Zeitzonen. Auf jeder Seite stehen die Namen der wichtigsten Städte dieser Zone, eingefräst ins Aluminium. Im Inneren des Zylinders dreht sich ein Ring, auf dem farbig gekennzeichnet die Uhrzeit durch die verschiedenen Zonen wandert. Darüber dreht sich einmal pro Minute ein kleines Modell des Sonnensystems, mit Kugeln als Planeten auf stahlgefassten Umlaufbahnen. Insgesamt bringt die zehn Meter hohe Konstruktion 16 Tonnen auf die Waage, die Antriebstechnik sitzt unterirdisch in einem kleinen Technikraum direkt unter dem Platz. Motor und Getriebe sind noch Originalteile aus DDR-Produktion, darunter ein zweckentfremdetes Getriebe aus dem Trabant, das den Stundenring in Bewegung hält.
In den letzten drei Monaten des Jahres 1997 ließ Hans-Joachim Kunsch die Uhr für umgerechnet rund 297.000 Euro überholen. In diesem Zuge wurden veraltete Stadtnamen angepasst, so wurde aus Leningrad Sankt Petersburg, zudem kamen 20 weitere Städte neu hinzu, darunter Jerusalem und Tel Aviv. Die aurotech GmbH übernahm bei dieser Gelegenheit außerdem die Erneuerung der Elektrik und tauschte den Motor für den Stundenring aus.
Treffpunkt und Schauplatz der Geschichte
Seit Mitte der 1970er-Jahre gilt die Weltzeituhr als beliebter Treff- und Verabredungspunkt. Am 12. Mai 1983 entrollten Bundestagsabgeordnete der Grünen hier ein Transparent mit der Aufschrift “Schwerter zu Pflugscharen” und wurden festgenommen. Ihre historisch bedeutendste Rolle spielte die Weltzeituhr allerdings am 7. Oktober 1989: Während die DDR-Führung an diesem Tag ihren runden Jahrestag feierte, trafen sich hier zahlreiche Oppositionelle und zogen von dort aus gemeinsam in Richtung Palast der Republik und weiter zur Gethsemanekirche, begleitet von Sprechchören, die politische Mitbestimmung forderten. Schon während des Marschs griffen Sicherheitskräfte hart durch, insgesamt kam es zu rund 1200 Festnahmen. Keine fünf Wochen später war die Berliner Mauer Geschichte.
2023 wurde die Uhr zum Ziel der Letzten Generation: Die Klimaaktivisten besprühten sie vollständig mit oranger Farbe aus Feuerlöschern, um auf die Klimakrise hinzuweisen, die Reinigung kostete den Senat rund 14.000 Euro. Unter Denkmalschutz steht die Weltzeituhr bereits seit dem Sommer 2015.
Tipps für deinen Besuch
Die Weltzeituhr steht frei zugänglich mitten auf dem Alexanderplatz und ist jederzeit zu besichtigen. In unmittelbarer Nähe, rund 0,1 Kilometer entfernt, liegt der Alexanderplatz selbst mit seinem Gastronomieangebot, der Berliner Fernsehturm ist etwa 0,3 Kilometer entfernt, die St. Marienkirche rund 0,4 Kilometer. Der Zugang ist rollstuhlgerecht, Gastronomie findest du direkt vor Ort.
Häufige Fragen
Wann wurde die Weltzeituhr gebaut und von wem?
Die Weltzeituhr wurde am 30. September 1969 eröffnet, kurz vor dem 20. Jahrestag der DDR. Entworfen hat sie der Designer Erich John im Rahmen der Neugestaltung des Alexanderplatzes, die Bauarbeiten dauerten neun Monate und waren eine Teamarbeit von rund 120 Fachleuten verschiedener Gewerke.
Wie funktioniert die Weltzeituhr?
Auf einer gut zwei Meter hohen Säule thront ein dreigeteilter Zylinder mit 24 Seiten, eine für jede der 24 Haupt-Zeitzonen der Erde, mit den Namen wichtiger Städte. Im Inneren des Zylinders bewegt sich ein Ring, auf dem die Stunden farbig markiert durch die Zeitzonen laufen. Darüber dreht sich einmal pro Minute ein vereinfachtes Modell des Sonnensystems.
Welche Rolle spielte die Weltzeituhr bei der Wende?
Am 7. Oktober 1989 feierte die DDR-Führung an der Weltzeituhr ihren 40. Jahrestag, während sich im Umfeld zahlreiche Oppositionelle sammelten und von dort aus einen friedlichen Protestmarsch starteten, begleitet vom Ruf nach politischer Mitbestimmung. Es kam zu heftigen Übergriffen durch Sicherheitskräfte mit rund 1200 Festnahmen, gut einen Monat später fiel die Berliner Mauer.
Wurde die Weltzeituhr schon einmal saniert?
Eine größere Instandsetzung fand in den letzten drei Monaten des Jahres 1997 statt, sie kostete umgerechnet rund 297.000 Euro. Dabei ersetzte man veraltete Städtenamen wie Leningrad durch Sankt Petersburg, 20 neue Städte kamen hinzu, darunter Jerusalem und Tel Aviv.
Ist die Weltzeituhr jederzeit zugänglich?
Ja, die Weltzeituhr steht frei zugänglich auf dem Alexanderplatz und kann jederzeit besichtigt werden. Gastronomie ist in unmittelbarer Nähe vorhanden, der Zugang ist rollstuhlgerecht.
Quellen: de.wikipedia.org
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