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Sehenswürdigkeit

Groß St. Martin

Köln-Innenstadt

© Dieter Jacobi / KölnTourismus GmbH

Groß St. Martin zählt zu den zwölf großen romanischen Kirchen Kölns und prägt mit ihrem Vierungsturm die Kölner Altstadt-Silhouette am Rhein. Die frühere Abteikirche entstand ab etwa 1150 über römischen Resten und wurde nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erst 1985 wiedereröffnet.

  • Eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, der Neubau entstand ab etwa 1150 über römischen Bauresten
  • Markanter Vierungsturm mit vier Ecktürmchen, bis zur Turmspitze 75,20 Meter hoch
  • 1150 bis 1172 entstandener Trikonchos (Kleeblattchor) als einziger fast unverändert erhaltener Bauteil
  • Bei den Luftangriffen 1942 bis 1945 schwer zerstört, Wiederaufbau bis 1985
  • Seit 2009 Klosterkirche der aus Paris stammenden Gemeinschaft Fraternité de Jérusalem

Wer vom Rheinufer aus auf die Kölner Altstadt blickt, sieht neben dem Dom vor allem einen zweiten markanten Turm: Groß St. Martin, erkennbar an seinem quadratischen Vierungsturm mit den vier Ecktürmchen. Die dreischiffige Basilika mit kleeblattförmigem Ostchor gehört zu den zwölf großen romanischen Kirchen der Stadt.

Eine Kirche auf einer römischen Insel

Bevor hier eine Kirche stand, lag das Grundstück auf einer vorgelagerten Rheininsel, die zum römischen Köln gehörte. Grabungen aus den Jahren 1965/1966 sowie den 1970er-Jahren legten Reste einer ummauerten, römischen Platzanlage frei, darunter ein größeres Wasserbecken, über dessen Zweck sich die Forschung uneinig ist: Gedeutet wird es als Schwimmbad oder als Lagerbecken für Fisch. Ab etwa dem zweiten Jahrhundert schüttete man das Gelände höher auf und errichtete mehrere dreischiffige Hallenbauten, vermutlich zur Lagerung von Waren direkt am Flussufer.

Eine kirchliche Nutzung vor dem 10. Jahrhundert lässt sich urkundlich nicht belegen, eine jahrhundertelang als Quelle genutzte Chronik mit früherer Gründungslegende entpuppte sich 1900 als Fälschung aus dem 18. Jahrhundert. Verlässlich überliefert ist dagegen die Stiftsgründung durch Kölns Erzbischof Brun, datiert zwischen 953 und 965, zu Ehren des heiligen Martin von Tours. Im Jahr 989 machte Erzbischof Everger daraus ein Schottenkloster mit irischen Mönchen, ehe im Lauf des 11. Jahrhunderts zunehmend einheimische Benediktiner die Gemeinschaft übernahmen.

Der romanische Neubau

1150 vernichtete ein Großbrand die Rheinvorstadt und beschädigte auch die Klosterkirche, vermutlich Anlass für einen kompletten Neubau. Zuerst entstand der Trikonchos, bis heute der am wenigsten veränderte Teil des Bauwerks. 1172 weihte Erzbischof Philipp I. von Heinsberg diesen ersten Bauabschnitt, während am Langhaus noch gearbeitet wurde. Ein weiterer Brand 1185 verzögerte die Fertigstellung zusätzlich, bis die Basilika zur Mitte des 13. Jahrhunderts ihre heutige Grundform erreichte: Das Schiff wuchs um fünf zusätzliche Meter, dazu kam im Westen eine zweijochige Vorhalle.

In den folgenden Jahrhunderten kam es wiederholt zu Schäden und Reparaturen am Turm: 1378 vernichtete ein Feuer das Turmdach über der Vierung, 1434 wehte ein Sturm drei der vier Turmgiebel herunter. Zwischen 1450 und 1460 bekam der Turm sein charakteristisches Dach in Form eines gotischen Knickhelms. Mit der Säkularisation von 1802 löste sich das Kloster auf, die Kirche wurde fortan als Pfarrkirche genutzt. Im 19. Jahrhundert beteiligte sich die Stadt Köln an umfassenden Restaurierungsarbeiten, bei denen die Basilika unter anderem ein neues Dach und ihr viertes Flankierungstürmchen zurückerhielt.

Zerstörung und Wiederaufbau

Im Zweiten Weltkrieg traf es die Basilika mehrfach: Fünf von Kölns zahlreichen Luftangriffen zwischen 1940 und 1945 richteten erheblichen Schaden an. Besonders folgenschwer war die Nacht zum 31. Mai 1942, als beim ersten massiven Flächenbombardement der Kriegsgeschichte Turm- und Langhausdach komplett ausbrannten. Nach dem letzten großen Angriff am 2. März 1945 war nur noch wenig übrig: der untere Trikonchos, die Seitenwände des Langhauses, und der Stumpf des Vierungsturms, der einsam aus einer Altstadt ragte, die zu 95 Prozent zerstört war.

Ob überhaupt wiederaufgebaut werden sollte, war in den ersten Nachkriegsjahren umstritten. 1948 starteten unter Architekt Hubert Molis erste Sicherungsmaßnahmen, ab 1961 übernahm Joachim Schürmann die weitere Planung. Der Vierungsturm trug ab 1963 wieder seine alte Form, die Außenarbeiten waren 1978 im Großen und Ganzen abgeschlossen. Erst am 13. Januar 1985, vier Jahrzehnte nach Kriegsende, konnten Besucher die Kirche wieder betreten. Seit 2009 dient sie erneut als Klosterkirche, nun für die aus Paris stammende Gemeinschaft Fraternité de Jérusalem, nachdem zuvor dort Gottesdienste in Spanisch, Portugiesisch und Filipino stattgefunden hatten.

Tipps für deinen Besuch

Groß St. Martin liegt mitten in der Kölner Altstadt, direkt am Fischmarkt. Der Alter Markt und der Rheingarten liegen jeweils nur rund 0,1 Kilometer entfernt, ebenso TimeRide Köln, der Heumarkt ist etwa 0,2 Kilometer entfernt. Die Basilika ist dienstags bis sonntags zugänglich, in der Krypta kannst du Ausgrabungen aus römischer Zeit besichtigen. Der Förderverein Romanische Kirchen Köln bietet von Zeit zu Zeit Führungen durch das Bauwerk an, der Eingang ist rollstuhlgerecht.

Häufige Fragen

Warum heißt die Kirche Groß St. Martin?

Der Zusatz „Groß“ grenzt sie von der kleineren Kölner Marktkirche Klein St. Martin ab, die ebenfalls den heiligen Martin als Patron trägt. Von Klein St. Martin steht heute nur noch der Turm.

Was stand hier vor der Kirche?

Das Gelände lag ursprünglich auf einer dem römischen Köln vorgelagerten Rheininsel. Ausgrabungen in den 1960er- und 1970er-Jahren fanden dort Reste einer römischen Platzanlage, darunter vermutlich Lagerhallen für Handelsgüter aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts. Als gesichert gilt die Gründung einer Kirche durch den Kölner Erzbischof Brun zwischen 953 und 965.

Wie stark wurde die Kirche im Krieg zerstört?

Allein fünf Luftangriffe in den letzten Kriegsjahren setzten Groß St. Martin erheblich zu. Nach dem schwersten Angriff am 2. März 1945 war kaum mehr als der untere Trikonchos und die Langhauswände übrig, fast alle Gewölbe waren eingestürzt oder durchlöchert. Der Wiederaufbau unter dem Architekten Joachim Schürmann zog sich bis 1985 hin.

Kann man Groß St. Martin besichtigen?

Ja, die Basilika wird seit 2009 von der Gemeinschaft Fraternité de Jérusalem als Klosterkirche betreut. Die aktuellen Öffnungs- und Gebetszeiten veröffentlicht die Gemeinschaft auf ihrer Website. In der Krypta lassen sich Ausgrabungen aus römischer Zeit besichtigen, der Förderverein Romanische Kirchen Köln bietet gelegentlich Führungen an.

Wie komme ich zu Groß St. Martin?

Die Kirche liegt in der Kölner Altstadt nahe dem Rheinufer, in unmittelbarer Nähe zum Fischmarkt und zum Alter Markt. Der Eingang ist rollstuhlgerecht.

Quellen: de.wikipedia.org

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