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Sehenswürdigkeit

Alter Markt

Köln-Innenstadt

Der Alter Markt ist mit 5.460 Quadratmetern neben dem Heumarkt der größte Altstadtplatz Kölns. Hier wurde schon vor über tausend Jahren Handel getrieben, heute sitzen Besucher vor Brauhäusern, und zu Weiberfastnacht startet hier der Straßenkarneval.

  • Erstmals 922 als „Mercatus coloniae“ urkundlich belegt, älter als der benachbarte Neumarkt
  • Jan-von-Werth-Brunnen von 1884 mit der Sage um Jan und Griet
  • Kallendresser-Plastik von Ewald Mataré, eine der bekanntesten Kölner Kuriositäten
  • Endpunkt des Historienspiels Jan und Griet an Weiberfastnacht seit 1954
  • U-Bahnhof Rathaus direkt am Platz, eröffnet im Dezember 2012

Wer in der Kölner Altstadt zwischen Rathaus und Rhein unterwegs ist, kommt am Alter Markt kaum vorbei. Mit 5.460 Quadratmetern ist er nach dem Heumarkt der zweitgrößte Platz der Altstadt, 265 Meter lang und heute vor allem für Außengastronomie und Karneval bekannt. Früher war das anders: Hier wurde gehandelt, gerichtet und turniert.

Vom Rheinhafen zum Marktplatz

Dort, wo heute Alter Markt und Heumarkt liegen, lag zur Römerzeit eine Insel im Rhein, denn der Fluss teilte sich hier in zwei Arme, und genau dort legte die Stadt ihren Hafen an. Davon zeugt ein Fund aus dem Dezember 2007: Bei Grabungen für die U-Bahn stießen Archäologen zwölf Meter unter der heutigen Oberfläche auf ein altes Lastschiff, das einst Baustoffe in die Stadt brachte. Erst als der Nebenarm im dritten Jahrhundert verschlammte, gaben die Römer die Hafennutzung auf, und auf dem trockengefallenen Gelände entstand später der Markt.

Die älteste bekannte Urkunde nennt den Platz schon 922 als „Mercatus coloniae“, Kölner Markt. 988 erscheint er dann als Forum in den Quellen, lange bevor 1076 erstmals der Neumarkt in den Quellen erscheint. Bis um 1250 bildeten Alter Markt und Heumarkt noch ein zusammenhängendes Areal, dann trennte sich der südliche Teil als eigener Markt für Getreide und Heu ab.

Turniere, Pranger und Gerichtsbarkeit

Auf dem Alter Markt fanden ab 1179 belegte Reiterturniere statt, bei denen Fürsten, Grafen und Freiherren gegeneinander antraten. Ein besonders aufwendiges Turnier richtete man im Oktober 1486 für König Maximilian I. und seinen Vater, Kaiser Friedrich III., aus. Für öffentliche Strafen war der Platz nach der Hinrichtungsstätte bei Melaten die zweite Adresse in der Stadt: Spätestens seit 1284 stand hier ein Pranger, dazu ein Käfig namens „Käx“, in dem Marktfrevler öffentlich ausgestellt wurden.

Wirtschaftlich war der Platz über Jahrhunderte bedeutender als der Neumarkt. Gehandelt wurden Obst, Käse, Gewürze und Hülsenfrüchte, dazu Zwiebeln, Salz und Kohle. Die Kölner nannten ihn liebevoll „et jolde Böddemche“, den goldenen Boden. Zahlreiche historische Häuser prägten den Platz, darunter das 1213 errichtete Haus „zur Britzele“, von dem das 1580 gebaute Doppelhaus als einziges original erhalten blieb.

Zerstörung und Wiederaufbau

Die Luftangriffe vom 31. Mai 1942 und 29. Juni 1943 zerstörten fast alle historischen Giebelhäuser am Platz. Das geschichtsträchtige „Roden-Haus“ mit der Jan-von-Werth-Apotheke ging dabei verloren, die Apotheke selbst, gegründet 1584, musste erst 2012 aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Das Westseiten-Gebäude, das alte Rathaus, wurde im Krieg ebenfalls vollständig zerstört. Auch das „Rote Haus“ an der Platzwestseite verschwand 2005 für den U-Bahn-Bau und wurde erst zwischen 2020 und 2022 wiederaufgebaut.

Der Jan-von-Werth-Brunnen hingegen überstand den Krieg fast unversehrt. Er erinnert an die Sage des Bauernburschen Jan, der von der Magd Griet verschmäht wurde, als siegreicher Reitergeneral aus dem Dreißigjährigen Krieg zurückkehrte und Griet dann bereute, ihn nicht geheiratet zu haben.

Was du heute siehst

Am Platz fällt der Kallendresser auf, eine kleine Reliefplastik von Ewald Mataré, die seit Mai 1964 an einem Haus angebracht ist. Zu ihrer Entstehung gibt es mehrere Legenden, unter anderem von einem Nachbarschaftsstreit wegen lauter Tubamusik. Heute hängt die Plastik an der Ostseite des Platzes in Dachnähe.

Weihnachtsmärkte gab es hier bereits 1820 als „Nicolai-Markt“, bis ein Ratsbeschluss von 1885 sie wegen Lärmbeschwerden verbot. Seit November 1977 findet auf dem Alter Markt wieder regelmäßig ein Weihnachtsmarkt statt, der heute in den Markt auf dem Heumarkt übergeht und sich den Heinzelmännchen widmet.

Tipps für deinen Besuch

Der Alter Markt liegt direkt an der TimeRide Köln, die im Keller eines Gebäudes am Platz eine virtuelle Zeitreise durch die Kölner Stadtgeschichte anbietet. Groß St. Martin, der Fischmarkt und der Heumarkt sind in zwei bis drei Gehminuten erreichbar, ebenso das Farina Duftmuseum. Mit der Stadtbahn erreichst du den Platz über den U-Bahnhof Rathaus, der 2012 eröffnet wurde. Zum Platz selbst führt nur das schmale Brigittengässchen, der Straßenverkehr ist hier gesperrt.

Häufige Fragen

Seit wann gibt es den Alter Markt?

Urkundlich erwähnt ist er erstmals 922 als „Mercatus coloniae“, Kölner Markt. Damit ist er der traditionsreichste Platz der Stadt und älter als der Neumarkt, der erst 1076 erstmals auftaucht. Namensgebend wurde das Alter im Vergleich zum jüngeren Neumarkt.

Was hat es mit dem Kallendresser auf sich?

Der Kallendresser ist eine kleine Reliefplastik, die einen Mann zeigt, der sich in die Dachrinne erleichtert. Zu ihrer Entstehung erzählt man sich mehrere Legenden, unter anderem einen Nachbarschaftsstreit um laute Tubamusik. Die heutige Figur stammt vom Düsseldorfer Kunstprofessor Ewald Mataré und ziert seit Mai 1964 ein Haus am Platz, mittlerweile in Dachnähe an der Ostseite.

Was bedeutet der Jan-von-Werth-Brunnen?

Der Brunnen erinnert an die Sage von Jan von Werth, einem Bauernburschen, der von der Magd Griet verschmäht wurde, in den Dreißigjährigen Krieg zog und als Reitergeneral zurückkehrte. Der Kölner Verschönerungsverein stiftete ihn, Architekt Wilhelm Albermann errichtete ihn 1884, eingeweiht wurde er von Oberbürgermeister Hermann Becker.

Welche Rolle spielt der Alter Markt im Karneval?

Seit 1954 endet hier alljährlich das Historienspiel Jan und Griet, das an Weiberfastnacht an der Severinstorburg startet. Schon seit 1832 gehörte der Platz zum Straßenkarneval, etwa durch den Brauch des „Mötzebestot“, bei dem sich Gemüseweiber und Männer gegenseitig die Hüte vom Kopf rissen.

Wie komme ich zum Alter Markt?

Mit der Stadtbahn über den U-Bahnhof Rathaus, der im Dezember 2012 in Betrieb ging. Zu Fuß erreichst du den Platz nur über das Brigittengässchen, für den Straßenverkehr ist der Bereich zwischen Lintgasse und Mühlengasse gesperrt.

Quellen: de.wikipedia.org

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