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Sehenswürdigkeit

Berliner Philharmonie

Berlin-Mitte

Die Berliner Philharmonie in der Herbert-von-Karajan-Straße ist die Heimstätte der Berliner Philharmoniker und einer der wichtigsten Konzertsäle Berlins. Hans Scharoun entwarf den Bau mit dem Orchesterpodium mitten im Publikum, ein Konzept, das später viele Konzerthäuser weltweit übernahmen.

  • Konzertsaal mit 2250 Sitzplätzen, erbaut nach Plänen von Hans Scharoun, eröffnet am 15. Oktober 1963
  • Erstes Konzerthaus mit dem Orchesterpodium mitten im Publikum, Vorbild für Säle wie die Elbphilharmonie
  • Goldfarbene Aluminiumfassade, nachträglich 1979 bis 1981 angebracht
  • Kammermusiksaal mit 1136 Plätzen, 1984 bis 1987 nach einer Idee Scharouns ergänzt
  • Seit November 2008 Livestreams aus dem Saal über die Digital Concert Hall

Am Rand des Berliner Tiergartens, mit Blick zum Potsdamer Platz, steht die Berliner Philharmonie: Heimat der Berliner Philharmoniker und eines der bekanntesten Konzerthäuser der Welt. Schon von außen fällt der Bau durch seine unregelmäßige, zeltartige Form auf, innen wartet ein Saalkonzept, das die klassische Aufteilung von Bühne und Zuschauerraum auf den Kopf stellt.

Ein Neubau nach dem Krieg

Die Berliner Philharmoniker gründeten sich 1882 und spielten zunächst an verschiedenen Orten, bevor die sogenannte Alte Philharmonie an der Bernburger Straße zur ersten festen Heimstatt wurde. Dieses Gebäude fiel im Januar 1944 einem alliierten Luftangriff zum Opfer. Nach Kriegsende spielte das Orchester zunächst in Ausweichquartieren wie dem Titania-Palast in Steglitz.

1956 schrieb das Land Berlin einen Architekturwettbewerb für den Neubau aus, 14 Architekten waren eingeladen. Im Januar 1957 erhielt Hans Scharoun den ersten Preis, doch fehlte zunächst die notwendige Mehrheit für die Umsetzung. Erst nach Eingreifen des Chefdirigenten Herbert von Karajan erhielt Scharoun den verbindlichen Auftrag. Als Standort wählte das Abgeordnetenhaus 1959 die heutige Adresse in der Nähe des Tiergartens, bewusst ein Gegenentwurf zu den gigantischen Bauplänen des Nationalsozialismus für diese Stelle.

Bau und Eröffnung

Die Grundsteinlegung fand am 15. September 1960 statt, das Richtfest folgte am 1. Dezember 1961. Nach einer Bauzeit von 37 Monaten eröffnete die Philharmonie am 15. Oktober 1963 mit Beethovens Neunter Sinfonie. Die Baukosten lagen bei rund 17 Millionen D-Mark. Weil die eigentlich für Frühjahr 1964 geplante Einweihung vorverlegt wurde, konnte die neue Spielzeit pünktlich im Herbst beginnen.

Zwischen 1984 und 1987 ergänzte der Architekt Edgar Wisniewski den benachbarten Kammermusiksaal nach einer ursprünglichen Idee Scharouns, zum Eröffnungskonzert trat die Geigerin Anne Sophie Mutter auf, Herbert von Karajan dirigierte vom Cembalo aus.

Ein Saal ohne klassische Aufteilung

Das Herzstück des Baus ist der große Konzertsaal mit 2250 Sitzplätzen. Scharoun platzierte das Orchesterpodium nicht wie üblich vorn an einer Wand, sondern fast mittig im Raum, umgeben von ansteigenden Zuschauerterrassen, die Scharoun selbst als „aufsteigende Weinberge“ bezeichnete. Durch diese Anordnung sehen Besucher die Musiker von allen Seiten und können teilweise sogar den Dirigenten beim Dirigieren beobachten. Manche Künstler, etwa der Dirigent Hans Knappertsbusch, lehnten Auftritte wegen dieser ungewohnten Nähe zum Publikum ab.

Die zeltartige, asymmetrische Form des Saals trug der Philharmonie bald den Spitznamen Zirkus Karajani ein, in Anspielung auf die runde Bauweise und den damaligen Chefdirigenten. Erst in den Jahren 1979 bis 1981 erhielt die zunächst nur ockerfarben gestrichene Betonfassade ihre markante goldene Verkleidung aus eloxierten Aluminiumplatten, die auch beim benachbarten Kammermusiksaal wiederkehrt.

Akustik und technische Besonderheiten

Weil das Podium mitten im Raum steht, musste der Akustiker Lothar Cremer gemeinsam mit Scharoun ein völlig neues Konzept entwickeln. Die Decke des Saals trägt 136 prismenförmige Resonatoren, die den Nachhall regulieren und gleichzeitig Reflexionen streuen. Über der Bühne hängen bewegliche, konvexe Schallelemente, umgangssprachlich „Wolken“ genannt, die vor allem den Musikern helfen, sich gegenseitig besser zu hören. Die Philharmonie zählte zu den ersten Sälen, bei denen das Orchesterpodium inmitten des Publikums stand, ein Konzept, das später unter anderem beim Opernhaus in Sydney und bei der Hamburger Elbphilharmonie aufgegriffen wurde.

Seit November 2008 übertragen die Berliner Philharmoniker ihre Konzerte mit eigener Ton- und Videotechnik als Livestream, bekannt als Digital Concert Hall, und archivieren sie im Internet.

Tipps für deinen Besuch

Die Philharmonie liegt am Kulturforum, direkt neben mehreren Museen. Das Musikinstrumenten-Museum und das Kunstgewerbemuseum erreichst du in wenigen Gehminuten, die Gemäldegalerie und die Neue Nationalgalerie liegen ebenfalls in unmittelbarer Nähe. Auch der Potsdamer Platz ist zu Fuß gut zu erreichen. Für Konzertbesucher stehen kostenpflichtige Parkplätze bereit, Kartenzahlung ist möglich, und der Zugang ist rollstuhlgerecht gestaltet, ebenso wie das WC im Haus.

Häufige Fragen

Wie viele Plätze hat die Berliner Philharmonie?

Der große Konzertsaal bietet 2250 Sitzplätze. Der benachbarte Kammermusiksaal, der nicht offiziell zur Philharmonie zählt, fasst 1136 Zuschauer.

Warum heißt die Philharmonie auch Zirkus Karajani?

Wegen ihrer runden, zeltartigen Form mit dem Podium in der Mitte nannten Berliner den Bau kurz nach der Eröffnung scherzhaft Zirkus Karajani, in Anspielung auf den damaligen Chefdirigenten Herbert von Karajan.

Wer hat die Berliner Philharmonie entworfen?

Der Architekt Hans Scharoun gewann 1957 den Architekturwettbewerb und entwarf den Bau als ersten Teil des geplanten Kulturforums. Gebaut wurde zwischen 1960 und 1963.

Wie kann ich ein Konzert der Berliner Philharmoniker verfolgen, ohne vor Ort zu sein?

Seit November 2008 übertragen die Berliner Philharmoniker Konzerte mit eigener Ton- und Videotechnik als Livestream, der als Digital Concert Hall auch im Archiv verfügbar ist.

Warum ist die Fassade golden?

Scharoun wollte ursprünglich eine farbige Verkleidung, aus Kostengründen bekam der Bau zunächst nur einen ockerfarbenen Anstrich. Erst 1979 bis 1981 ließ der Senat goldfarben eloxierte Aluminiumplatten anbringen.

Quellen: de.wikipedia.org

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