Die St. Marienkirche nahe dem Alexanderplatz zählt als älteste noch kirchlich genutzte Pfarrkirche Berlins, erstmals 1292 urkundlich erwähnt. Im Inneren bewahrt sie eines der bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerke der Stadt, das Totentanzfresko.
- Älteste noch kirchlich genutzte Pfarrkirche Berlins, erstmals 1292 urkundlich erwähnt
- Totentanzfresko von 1484, eines der bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerke Berlins
- Alabasterkanzel von Andreas Schlüter aus den Jahren 1702/1703
- 90 Meter hoher Turm, 1789 von Carl Gotthard Langhans neugotisch überformt
- Täglich geöffnete Kirche, Teil des Drei-Religionen-Bauprojekts House of One
Unweit des Berliner Fernsehturms, im Park am Fernsehturm nahe dem Alexanderplatz, steht die St. Marienkirche, die älteste noch sakral genutzte Pfarrkirche Berlins. Während ihre mittelalterliche Umgebung im Krieg und bei der Neugestaltung der DDR-Zeit verschwand, blieb sie als einzige sichtbare Erinnerung an den historischen Stadtkern Berlins erhalten.
Eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert
Erstmals urkundlich erwähnt ist die Marienkirche am 3. Januar 1292 als „ecclesia St. Marie virginis“, nach Einschätzung von Architekturexperten entstand sie bereits um 1270. Sie liegt in der einstigen Berliner Neustadt am Neuen Markt, in der Nähe der etwas älteren Pfarrkirche St. Nicolai. Über den Grundmauern aus Feldsteinen wuchs im Lauf der Zeit ein roter Backsteinbau im Stil der für die Mark Brandenburg typischen Gotik.
Der 48 Meter hohe Turmhelm ruht auf einem Unterbau aus Rüdersdorfer Muschelkalk. Beschädigungen durch Feuer machten in der Barockzeit, zwischen 1663 und 1666, einen Neubau des oberen Turmaufbaus nötig. Seine endgültige, bis heute erhaltene Form bekam der Turm erst 1789, als Carl Gotthard Langhans ihn neugotisch überformte und auf rund 90 Meter Gesamthöhe brachte.
Orientierungspunkt im Bombenkrieg
Mit der Übertragung der Nikolaikirche an die Stadt Berlin im Jahr 1938 wurde die Marienkirche zur ältesten Predigtstätte der Hauptstadt. Im Zweiten Weltkrieg nutzten alliierte Bomberbesatzungen ihren markanten Turm offenbar selbst als Landmarke zur Orientierung, ein Grund, warum das Gebäude im Gegensatz zu seiner Umgebung weitgehend unversehrt blieb und auch nach Kriegsende als eine von wenigen großen Kirchen Berlins weiter genutzt werden konnte.
Das Umfeld der Kirche veränderte sich dagegen radikal: Durch Kriegszerstörungen und die anschließende Neuplanung der Berliner Mitte in den 1960er Jahren steht die Marienkirche heute als Solitärgebäude in einer von Neubauten umgebenen Freifläche, dominiert vom 1969 eröffneten Fernsehturm. Im Zuge dieser Umgestaltung ließ die DDR das Bauwerk 1969/1970 restaurieren, dabei schuf der Berliner Kunstschmied Achim Kühn auch die neuen, aus getriebenem Kupfer gefertigten Eingangsportale.
Der Totentanz in der Turmhalle
Zu den bedeutendsten erhaltenen mittelalterlichen Kunstwerken der Stadt zählt das Totentanzfresko in der Turmhalle. Auf über zwanzig Metern Länge zeigt es geistliche und weltliche Ständevertreter, die im Reigen mit je einer Todesgestalt schreiten, unterbrochen von einer zentralen Kreuzigungsszene. Die Verse sind in plattdeutscher Sprache gehalten und gelten als älteste Berliner Dichtung. Wahrscheinlich bereits zur Reformationszeit übertüncht, kam das Fresko erst 1861 durch den Hofbaurat Friedrich August Stüler wieder zum Vorschein. Heute schützt eine Glaswand das durch Feuchtigkeit verblasste Werk.
Kanzel, Altar und Taufbecken
Die künstlerisch herausragende Alabasterkanzel schuf Andreas Schlüter 1702/1703, ihr Kanzelkorb scheint zwischen zwei Engeln zu schweben. Der barocke Hochaltar entstand um 1762 nach einem Entwurf von Andreas Krüger mit Gemälden von Bernhard Rode. Vor dem Altar steht ein gotisches Taufbecken aus Bronze, gegossen im Jahr 1437 und getragen von vier drachenförmigen Füßen. Nach dem Krieg kamen außerdem zahlreiche gerettete Kunstwerke aus zwei anderen zerstörten Berliner Kirchen, der Nikolaikirche und der Franziskanerklosterkirche, in die Marienkirche.
Die Orgel
Die Orgel baute Joachim Wagner 1720 bis 1722, eingeweiht wurde sie 1723. Sie gehört zu den wenigen Berliner Orgeln, die den Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt überstanden. Erst schwere Schäden im Winter 1996 zwangen die Gemeinde zum Handeln: Sie entschied sich für einen kompletten Neubau nach Wagners historischer Konzeption, ausgeführt 2002 von der Orgelbauwerkstatt Alfred Kern & Söhne unter Einbeziehung der noch erhaltenen alten Pfeifen.
Tipps für deinen Besuch
Die Kirche gehört zu den offenen Kirchen Berlins und ist täglich kostenlos zugänglich (Stand Oktober 2026). Der Berliner Fernsehturm liegt nur 0,2 Kilometer entfernt, die Berlin Icebar liegt ebenfalls bei 0,2 Kilometern und der Berlin Dungeon bei 0,3 Kilometern. Die Marienkirche ist zudem Gründergemeinde des Drei-Religionen-Bauprojekts House of One, das in unmittelbarer Nähe entsteht.
Häufige Fragen
Wie alt ist die St. Marienkirche?
Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie am 3. Januar 1292 als Pfarrkirche. Architekturexperten vermuten den Baubeginn bereits um 1270. Nach der Übertragung der Nikolaikirche an die Stadt 1938 gilt die Marienkirche heute als älteste noch genutzte Predigtstätte der Hauptstadt.
Was zeigt das Totentanzfresko?
Das mehr als zwanzig Meter lange Wandbild in der Turmhalle zeigt geistliche und weltliche Ständevertreter, die im Reigen mit je einer Todesgestalt schreiten. Datiert wird es auf das Pestjahr 1484. Vermutlich in der Reformationszeit übertüncht, kam es erst im 19. Jahrhundert wieder zum Vorschein.
Warum wurde die Marienkirche im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört?
Alliierte Bomberbesatzungen nutzten den markanten Turm offenbar selbst als Orientierungshilfe, was die Kirche, anders als ihre Umgebung, weitgehend unversehrt ließ. Nach dem Krieg zählte sie zu den wenigen größeren Berliner Kirchen, die weiter genutzt werden konnten.
Wer hat die Kanzel der Marienkirche geschaffen?
Die künstlerisch herausragende Alabasterkanzel schuf Andreas Schlüter 1702/1703. Der Kanzelkorb scheint zwischen zwei Engeln zu schweben, getragen von vier Marmorsäulen mit vergoldeten ionischen Kapitellen.
Ist der Besuch der St. Marienkirche kostenlos?
Ja, die Marienkirche zählt zu den offenen Kirchen Berlins und ist täglich kostenlos besuchbar (Stand Oktober 2026).
Quellen: de.wikipedia.org, marienkirche-berlin.de
Ähnliche Sehenswürdigkeiten in der Nähe
Alle Sehenswürdigkeiten in Berlin ansehenAlle Sehenswürdigkeiten in Deutschland ansehenIn der Nähe
Illuseum Berlin
Museum · Berlin-Mitte
KÖRPERWELTEN Museum Berlin | Am Fernsehturm / Alexanderplatz | Dauerausstellung
Museum · Berlin-Mitte
BowlingCenter am Roten Rathaus
Bowlingbahn · Berlin-Mitte
IKONO Berlin
Museum · Berlin-Mitte
Für Betreiber
Sind Sie der Betreiber von St. Marienkirche?
Übernehmen Sie den Eintrag kostenlos und ergänzen Sie Fotos, Preise und weitere Angaben.
Angaben ohne Gewähr. Fehler entdeckt? Gib uns Bescheid.





